Michas Reisetagebuch
Wenn das Fernweh ruft, soll man sich treiben lassen. Also trieb uns das besch ... Osterwetter diesen Jahres nach Frankreich, um genauer zu sein nach La Seyne sur Mer an der Côte d’Azur. Aber beginnen wir im kalten Deutschland...
Am 21.03.08, sprich Karfreitag, trafen sich 5 Kletterer, die bereit waren, die knapp 1500 Kilometer mit dem Auto in Angriff zu nehmen. 17:30 Uhr, Abreise, denkste, wegen ewigem Rumgegurke zwecks Umladen, einer Vollsperrung auf der A14 und spontanem Geld besorgen müssen, verschob sich alles um eine halbe Stunde. Das Reisewetter war uns auch nicht gnädig gestimmt, was sich besonders zwischen Kassel und Karlsruhe, mit Schnee und Eis, bemerkbar machte. Auch die unzähligen Mädchenpinkelpausen (etwa alle 200km) ließen uns nicht schneller vorankommen und wegen eines solchen Spontanstops hatten wir plötzlich kurz vor Marseille noch „Missing Fiesta”. Nach der Wiederzusammenführung erreichten wir 9:30 Uhr das Buffalo Camp in La Seyne. Für die einen hieß es dann Zeltaufbau und für die anderen Mobile-Home-Einzug, mit anschließendem Frühstück. Schnell wurden auch die ersten Bekanntschaften gemacht, in Person eines kleinen süßen Mädchens, das komischerweise nur französisch sprach und einem mit der Zeit immer lästiger werdendem Katers. Der gesunde Menschenverstand hätte die Fahrer jetzt erst einmal ins Bettchen geschickt, aber ihr kennt das ja selbst, die Euphorie treibt einen zum Felsen. Also auf nach Croupatier, ... ups ... Abfahrt verpasst, ähh, na dann nach Gros Cerveau. In diesem Örtchen hießt es lustig kleine Straßen zu finden, die nicht einmal im Navi verzeichnet sind. Aber es hat sich gelohnt. Während wir uns aufgrund des starken Windes am Zeltplatz selbst mit 3 Pullovern den Arsch abgefroren haben, konnte man hier ohne T-Shirt klettern. 16:30 Uhr wurde es dann doch kühl, also fuhren wir Crêpes essen nach Sanary. Und nach der Befriedigung des Hungers durften auch die Augen um 20:00 Uhr Feierabend machen und es ging in die Heia.
Mein Haus, dein Haus, euer Haus...
Micha Berlitz in „Rapsodie″ (4a/5c)
Aline in „La Gratounette″ (4c)
Lecker!
Am Ostersonntag wollten wir, nach einem ausgedehnten Frühstück (bis 12:30 Uhr), nach Coudon und sind auch tatsächlich dort angekommen. Zu unserem Leidwesen aber auch 30 andere Kletterer, die natürlich die meisten Routen blockierten. Also verzogen wir uns ganz ans Ende des Felsens und erst als die anderen Weicheier von der Kälte vertrieben wurden, hatten wir freie Auswahl. Halb sieben mussten wir uns dann sputen, da wir Beate in Toulon vom Bahnhof abholen wollten, die die Reise mit dem Flieger gemacht hatte. Zurück in La Seyne ging es ans Zelt aufbauen und Nadine kochte in der Zwischenzeit Nudeln mit Tomatensoße, die wir uns mit lecker Wein und Bierchen schmecken ließen.
Am Tag darauf fuhren wir, zu meinem ganz persönlichen Highlight des Urlaubs, nach Ragas. Schon das Städtchen Le Revest, mit seinen verzweigten Gassen ist ein Hingucker (außer vielleicht Ostermontag, weil da alles zu hat). Am Seeufer entlang wanderten wir zum Felsen. Und Micha hatte nicht zu viel versprochen, eine Tour war schöner als die andere. Auf dem Rückweg konnten Aline und Micha B. es nicht lassen und hüpften in das, laut Micha, weniger als einen Zentimeter kalte Wasser. Irgendwie hatte niemand Lust zu kochen und so landeten wir im „Chez Lionel“, einem italienischen Restaurant am Strand von Sanary. Sehr „charmant“ dort, auch der Weißwein.
Anett in „Olabaf″ (5a)
Gruppenkuscheln
...
Micha Weidner in „La dame du lac″ (6a+)
Die ganze Bande...
Ab Dienstag Morgen hatten wir dank Beate auch einen täglichen Baguetteholer. Diese Stärkung brauchten wir heute aber auch. Zum zweiten Mal fuhren wir nach Coudon. Diesmal aber bis zum Parkplatz 3, da uns die hinteren Sektoren interessierten. Bei brütender Hitze verirrten wir uns erst, erreichten über einen Klettersteig dann doch noch den richtigen Felsen und wurden belohnt, geile Aussicht und geile Routen. Zum Ende kletterten Beate und Anett noch eine Zwei-Seillängentour. Da die Sonne bereits verschwunden war als beide den Ausstieg erreichten, beschlossen wir spontan, dass sie gleich oben beim Parkplatz bleiben sollten und wir ihre Sachen mit nach oben tragen. Na ja, und so ein 3er Weg will mit Stiefeln und 2 Rucksäcken erst einmal geklettert sein. Oben erwarteten uns bereits die beiden steifgefrorenen Eiswürfel. Also schnell zum Zeltplatz in den vorgeheizten Bungalow und Essen fassen, Salat und Nudeln mit Shrimps. Und wie immer alles mit tüchtig Alkohol runterspülen. Trotzdem wir noch etwas länger versackt sind, wollten wir am nächsten Morgen früher aufstehen, aber bis zur geplanten Essenzeit um 9:00 Uhr war noch niemand den Zelten entsprungen, nicht einmal Anett, die sonst schon regelmäßig joggen war. Das eher aufstehen hatte mit einer weiteren Entfernung zum Tagesziel zu tun, Sainte-Baume, bei Gimenos. Auch der Zustieg war alles andere als kurz. Wir kletterten einige schöne Routen, doch bei dem einen oder anderen machten sich Ermüdungserscheinungen aufgrund der Dauerbelastung seit 5 Tagen bemerkbar.
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Echte Kumpel
Echte Helden
Nadine in „Eloise″ (5a)
Schöner Kalk und schöne Menschen
Kurzerhand entschieden wir uns für ein nachmittagliches Kulturprogramm und fuhren gegen 16:00 Uhr nach Aix en Provence. Als aller erstes stand natürlich Kaffee und Crêpes auf dem Plan und dann eine Stadtbesichtigung mit Postkartenkaufen, Postkartenkaufen und Postkartenkaufen. Wir haben sogar einen kleinen Kletterladen gefunden. Zurück im Camp gab es gar köstlich zubereitetes Dosenfutter zum Abendbrot. Vielleicht waren die arbeitenden Erbsen und Bohnen schuld, aber die Nacht war irgendwie „Scheiße”. Dementsprechend war auch meine Laune, als ich mich gegen 9:00 Uhr aus dem Bett quälen musste. Erst als das heutige Kletterziel bekannt gegeben wurde, änderte sich das. Micha hatte nämlich seit Tagen von einer Sintersäule in Cimai geschwärmt und - heutiges Tagesziel ta tata taa ... Cimai. Leider ohne Anett, die ihren schulterbedingten Ruhetag in Toulon verbrachte. 12:00 Uhr kamen wir nach 5 Minuten Aufstieg bei besagter Tour an. Und Micha hatte nicht gelogen. Das Ding muss man einfach klettern, wenn man es sieht. Und so dachten auch tausend andere zuvor, denn alles ist wie mit einer Speckschwarte eingerieben. Ganz zu schweigen von der Mittagshitze und den durch sie verursachten Schweißbäche auf den Händen. Auch die anderen kletterten dort ein paar echt schöne Wege, wie Kilikibo 5b oder Massoud 6a+. Zur Belohnung gab es am Nachmittag Eis und Crêpes am Hafen von Sanary. Um 20:00 Uhr trafen wir uns mit Anett im Camp, kochten Ratatouille und genossen wie immer feuchtfröhlich den letzten gemeinsamen Abend. Denn am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen. Micha B., Aline, Beate und Anett wollten noch einen Tag bleiben und dann nach Aups umsetzen, um dort noch eine Woche zu klettern. Nadine und ich dagegen freuten uns auf eine 17 stündige Rückfahrt ins immer kälter und nasser werdende Deutschland.
Autor: Michael Weidner (alias kackstift)
Veröffentlicht am 11.05.08
Micha Weidner in „Rodeo″ (7a)
Hühnertanz
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