[ Geschichten > Spirelli ]

Ferrogenese am Spirelli

Der Spirelli in Magdeburg
Der Spirelli in Magdeburg
Die DDR war gerade zusammengebrochen worden und die Bunte Republik Deutschland verschluckte sich an dem neuem Commerzhappen. In der Luft lagen jedoch noch - dank Plaste und Elaste - einige Kristallisationskeime. Sie führten zu einer spontanen und sehr partiellen Ferrogenese am Fahnenmonument Magdeburg, welches auch „Spirelli” genannt wird. Dank der Ferrogenese entstanden die für Kletterer so geliebten Fixpunkte im Beton und ein neuer urbaner Kletterfelsen war geboren. Man klettert leise und  regelmäßig etwas grauzonig, aber auch stets gut gesichert. „Kollektivgeist” ist der Name der Route. Er entsprang  dem damaligen Zeitgeist. Die Schwierigkeit liegt so bei VI / VIIa.
Bei einer Filmaufnahme des MDR - man suchte den Abenteuersportler des Jahres - wurde die Tour Anfang der Neunziger der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Vorausgesetzt die breite Öffentlichkeit hat damals überhaupt MDR geschaut. Als vor einigen Jahren meine Frau die Tour nachstieg, bekam sie spontan Beifall von einigen ehemaligen Kollegen des Adolf Hennecke, welcher ja seinerzeit ein verdienter Aktivist des Volkes war.
Vorletztes Jahr photogaphierte eine Volkstimme-Volontärin zwei unbekannte Kletterer in dieser Tour und brachte einen Kurzbericht in der lokalen Tageszeitung. Es kräuselten einige Wellchen und seitdem fließt wieder viel Wasser in der Elbe unter dem „Spirelli” vorbei.

von Holger (alias Aussteiger)
veröffentlicht am 15.09.08